Kairo Geschichte

Kairo ist eine für ägyptische Verhältnisse junge Stadt, sie hat
keinen direkten Vorgänger aus pharaonischer Zeit. Im Süden der heutigen
Stadt befand sich die Reichshauptstadt des Alten Reiches,
Memphis und
die zugehörige
Nekropole. Im Nordosten befand sich die Hauptstadt des 13.
unterägyptischen Gaus, Heliopolis. Im heutigen Stadtteil Matariya künden
der Obelisk zum Tempel Sesostris I. und einige Gräber aus jener Zeit.
Die nahe gelegenen Steinbrüche (Gebel al-Ahmar, Muqattam) wurden wegen
ihres Quarzits ausgebeutet.
Vermutlich wurde im heutigen Altkairo eine erste Siedlung unter den
Persern errichtet, die später unter dem römischen Kaiser Augustus zur
römischen Festung Babylon ausgebaut wurde. Von der Größe der riesigen
Burganlage zeugten 42 Kirchen, Türme und Bastionen, die heute noch
teilweise erhalten sind.
641 wurde diese Festung vom Heer des Amr ibn al-As erobert, von hier aus
konnte sein Heer ebenfalls
Alexandria
erobern. Im Nordosten der Festung, in al-Fustat, wurde sein Heerlager
eingerichtet.
Ab 750 nehmen die abbasidischen Herrscher von
Bagdad aus die Geschichte
Kairos in die Hand. Ihr Einfluss schwindet aber zunehmends, so dass sich
der Gouverneur Ibn Tulun selbständig machen kann. In direkter
Nachbarschaft zu al-Fustat errichtet er seinen Hauptsitz al-Qatai; die
Stadt erreichte einen ersten Aufschwung. In der ersten Hälfte des 10.
Jahrhunderts gelingt die völlige Loslösung vom Kalifat Bagdad.
969 wird Kairo erneut erobert: Vom
Marokko aus kommend
eroberten die Fatimiden, ein schiitischer Stamm, ganz Nordafrika. Kairo
(arab. القاهرة, al-Qāhira), so wie sie sie nannten, sollte ihre
bedeutendste Stadtgründung werden. Die Stadt wird nördlich von al-Fustat
im Bereich der heutigen Al-Azhar-Moschee angelegt. In ihrer Zeit wurden
zahlreiche bedeutende Bauten in der
Islamischen
Altstadt. Zu den wichtigen Bauten zählen die al-Azhar-Moschee (970)
und die Stadtmauer mit seinen berühmten Toren Bab al-Futuh, Bab en-Nasr
und Bab Zuweila.
Auch al-Fustat entwickelte sich weiter. Diese Stadt entwickelte sich bis
zur Jahrtausendwende zu einer der größten bekannten Städte mit ca. einer
halben Million Einwohner. 1168 rücken die Kreuzritter auf Kairo zu. Um
ihnen diese Stadt nicht zu überlassen, wurde al-Fustat von seinen
Bewohnern niedergebrannt, nur wenige Überreste und die Ibn-Amr-Moschee
künden von dieser Zeit. Al-Fustat ist später nie wieder besiedelt
worden.
Der wirtschaftliche Niedergang am Ende der Fatimiden-Herrschaft und die
Kriegswirren mit den Kreuzrittern riefen Bagdad erneut auf den Plan: Sie
schickten den berühmten Feldherrn Ṣaliḥ ad-Dīn (Saladin), um Ordnung
schaffen zu lassen. Aber er begründet hier nun seine eigene Dynastie,
die Ayyubiden. Ein gewaltiges Bauprogramm (Moscheen, Zitadelle) wird
ausgeführt; die schiitische Ausrichtung des Islam wird durch die
sunnitische ersetzt.
Die militärische Sicherung wurde von Sklaven, den Mamelucken,
sichergestellt. Deren militärische Elite erstarkt und bildete einen
Staat im Staate. Den Tod des letzten Ayyibiden-Herrschers, Salih, im
Jahre 1250 nutzen sie, um sich selbst an die Macht zu putschen. Ihre
Machtdemonstration wurde ebenfalls in Stein umgesetzt. Ihren internen
Machtkämpfen zum Trotz gelingt es ihnen, Kairo zum religiösen Zentrum
der islamischen Welt auszubauen, ihnen gelangen zahlreiche Eroberungen
in Arabien, sie konnten den Ansturm der Mongolen abwehren und den Handel
zu China und Indien ausbauen.
Ihnen gelingt es aber nicht, die osmanischen Streitkräfte im Jahr 1517
zurückzudrängen. Die siegreichen Osmanen erhängten den letzten
Mamelucken-Herrscher Tuman Bey und brachten seine Anhänger um. Ihre
Regierungszeit sollte bis ins 18. Jahrhundert andauern, Ägypten als
osmanische Provinz musste aber zunehmends an politischen Einfluss
verlieren. Die politische Situation wird in der Folgezeit durch eine Art
Koexistenz geprägt: die von Konstantinopel eingesetzten, nicht selten
blutrünstigen Regenten (Paschas) müssen sich ihre Macht mit den niemals
vollständig unterworfenen Mamelucken teilen.
Eine neue Zeit beginnt mit dem Versuch Napoleons, Ägypten im Jahre 1798
zu erobern. Dies gelingt ihnen nicht dauerhaft, drei Jahre später werden
sie von britischen Truppen vertrieben; Kairo gerät wieder unter
osmanischer Herrschaft. Dem 1805 ernannten Muhammed Ali gelingt in der
Folgezeit Erstaunliches: Er beendete in einem grausigen Gemetzel 1811
dem Machtanspruch der Mamelucken ein jähes Ende. Er führte zahlreiche
technische Neuerungen ein und erreichte 1839 die weitgehende
Unabhängigkeit vom Osmanischen Reich. Sein Nachfolger, Ismail Pascha,
setzte sein Werk erfolgreich fort, Kairo expandiert, das heutige
Stadtzentrum entwickelt sich unter französischem und britischen
Einfluss, der Suez-Kanal wird eingeweiht.
Umfangreiche Auslandsdarlehen ließen Ägypten verschulden, der
wirtschaftlichen Einflussnahme folgte die politische mit der Eroberung
Ägyptens durch die Briten im Jahre 1882. Formell blieb Ägypten Provinz
des Osmanischen Reiches; erst 1914 wird Ägypten britisches Protektorat.
Die britische Vorherrschaft führt zum einem wirtschaftlichen Aufschwung
in den Metropolen Kairo und Alexandria; ein erneuter Bauboom und in
seinem Gefolge ein kultureller Aufschwung setzt ein.
Auch als Folge des zweiten Weltkrieges setzen nun Bestrebungen zur
Erringung der Unabhängigkeit Ägyptens ein. Antibritische Unruhen ab 1919
– der ägyptische Nationalist Saad Zaghlul wird zu einer bedeutenden
Schlüsselfigur – erzwingen die (formelle) Unabhängigkeit von
Großbritannien im Jahr 1922; fortan regieren Britannien-freundliche
Könige Ägypten (Fuad I, Faruk).
Der Staatsstreich der freien Offiziere unter Mohamed Naguib und Gamal
Abd el-Nasser 1952 gegen den König Faruk leitet die Neuzeit ein. Die
Politik orientierte sich am Gesellschaftssystem der Sowjetunion: der
wirtschaftlichen Gleichstellung seiner Einwohner stand ein
wirtschaftlicher Niedergang und eine überbordende Bürokratie gegenüber.
Die Verstaatlichung des Suezkanals 1956 bringt Ägypten an den Rand eines
Krieges, Briten und Franzosen ziehen sich auf starken internationalen
(sowjetischen) Druck zurück. Auch das Eintreten Ägyptens für Palästina
gegen
Israel gerät zum
Fiasko. Nasser erleidet eine empfindliche Niederlage im Sechs-Tage-Krieg
1967, und der Sinai wird besetzt; die Teilsiege der ägyptischen Armee
1973 im Sinai-Krieg stärken des ägyptische Selbstwertgefühl und legen
die Grundlage zum israelisch-ägyptischen Friedensabkommen von 1979.