Kultur- und Bildungspolitik
Stand: Mai 2007
Ägypten bewegt sich zwischen unterschiedlichen kulturellen Polen. Es ist
den glorreichen Zeiten seiner eigenen Geschichte stark verbunden, v. a.
dem Alten Ägypten und dem islamischen Mittelalter. Gleichzeitig steht
die Gesellschaft unter dem Eindruck unterschiedlicher moderner
Globalisierungseinflüsse: neben einer Aufgeschlossenheit gegenüber „westlicher“
Kultur und ihren Lebensformen lassen sich zunehmende Islamisierung und
religiös geprägter Konservatismus beobachten.
Kulturpolitik
Kairo ist seit Jahrhunderten eines der geistigen und kulturellen
Zentren der arabischen Welt. Die Stadt ist Sitz der weltweit
renommierten islamischen Hochschule Al-Azhar und des Oberhaupts der
koptischen Kirche. Sie ist das Zentrum des arabischen Buchmarkts und
beheimatet große Bibliotheken, Museen und das erste Opernhaus der
arabischen Welt. Kairo ist außerdem das wichtigste Medienzentrum im
Nahen Osten sowohl im Bereich der elektronischen und der Printmedien,
des Agenturwesens als auch der arabischen Filmindustrie. Auch für viele
ausländische Medien ist die ägyptische Hauptstadt Standort und
Nachrichtenumschlagplatz für die arabischen Länder.
Zu den wichtigsten kulturellen Veranstaltungen zählen die Internationale
Buchmesse Kairo, das Internationale Filmfestival und das Internationale
Festival für Experimentelles Theater. Regelmäßige Kunstbiennalen und
-triennalen unterstreichen die Rolle Kairos als Kulturhauptstadt.
Das pharaonische Erbe hat im Land eine Vielfalt von Ausgrabungsstätten,
Lehr- und Forschungseinrichtungen der Ägyptologie entstehen lassen.
Neben den pharaonischen Kulturzeugnissen gibt es viele bedeutende
nubische, graeco-romanische, christliche und islamische Kulturdenkmäler.
In Kairo findet sich die weltweit größte Konzentration koptischer und
islamischer Baudenkmäler. Viele Stätten, darunter die Pyramiden, Luxor
und die islamische Altstadt Kairos, wurden bereits 1979 in die
Welterbeliste der UNESCO aufgenommen. 2002 kamen das Katharinenkloster
als Kulturdenkmal und 2005 das Wadi al-Hitan als Naturdenkmal hinzu.
Das ägyptische Museum im Stadtzentrum von Kairo ist sowohl bei Touristen
wie auch Ägyptern beliebter Anziehungspunkt. Mit einer Erweiterung in
der Nähe der Gizeh-Pyramiden soll es ab 2009 das weltweit größte Museum
werden. Andere wichtige Museen in Kairo, wie das Islamische und das
Koptische Museum, wurden ebenfalls in den vergangenen Jahren renoviert.
Bildungspolitik
Ägypten leidet unter der mangelnden Kapazität und Qualität in seinen
Bildungsstrukturen. Die ägyptische Regierung hat sich zum Ziel gesetzt,
Zugangsmöglichkeiten zu Schulbildung und Qualität der Bildung
entscheidend zu verbessern. Dies stellt angesichts des starken
Bevölkerungswachstums und damit ständig steigenden Bedarfs an
Bildungseinrichtungen eine enorme Herausforderung an die ägyptische
Bildungspolitik dar. Seit den 1990ern unternimmt die Regierung
ehrgeizige Reformversuche. Die langfristig ausgelegte Initiative
„Bildung für alle“ soll sicherstellen, dass bis 2015 alle Kinder in
Ägypten die Grundschule abschließen. Die für Bildung bereitgestellten
Mittel erreichten Anfang des neuen Jahrtausends einen Anteil von 18% an
den gesamten öffentlichen Ausgaben. Weitere Anstrengungen sind hier
jedoch nötig, um dem Bevölkerungswachstum gerecht zu werden und
vorangegangene Versäumnisse zu kompensieren. Die Regierung ist um die
Förderung der Geschlechtergerechtigkeit in der Bildung bemüht. Der
Anteil der eingeschulten Mädchen konnten auf 94% (2004) erhöht werden.
Auch die Alphabetisierungsrate bei Mädchen und jungen Frauen konnte
deutlich erhöht werden, jedoch liegt sie weiterhin unterhalb derer für
männliche Altersgenossen.
Ägypten unterhält dreizehn staatliche Universitäten mit über 1,3 Mio.
eingeschriebenen Studenten. Ferner existieren sechs private
Universitäten, darunter die alteingesessene American University in
Cairo. Die im Oktober 2003 von Bundeskanzler Schröder und
Staatspräsident Mubarak eröffnete German University Cairo bietet sechs
technisch orientierte Studiengänge an, die auf deutschen Lehrplänen
aufbauen.
Deutschland unterstützt im Rahmen der finanziellen Zusammenarbeit mit
82,2 Millionen Euro den Bau von Grundschulen. Die 1991 gegründete
Mubarak-Kohl-Initiative leistet einen Beitrag zur Berufsausbildung der
jungen Generation. Die Initiative fördert ein duales Ausbildungssystems
nach deutschem Vorbild. Mittlerweile umfasst die duale Berufsausbildung
in Ägypten 28 Berufe in 43 Schulen unter der Beteiligung von 1600
Unternehmen. 15.000 Jugendliche haben bisher von dem Programm
profitiert.
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