Wirtschaftslage
Die ägyptische Wirtschaft befindet sich seit Ende
2003 auf Expansionskurs. Ein weltwirtschaftlich günstiges Umfeld und die
reformorientierte Politik der Regierung Nazif bieten die Chance für
einen langfristigen Konjunkturaufschwung. Die wichtigsten Devisenbringer
des Landes – Tourismus, Überweisungen ägyptischer Gastarbeiter,
Einnahmen aus dem Suezkanal und Export von Erdöl und Erdgas – erreichten
2006 jeweils neue Rekordstände. Die Inflation, die 2005 noch deutlich
reduziert worden war, zog 2006 allerdings erneut wieder an und lag im
Dezember 2006 bei einer Jahresrate von 12,4%.
Der Tourismus erreichte 2006 mit über 9 Mio. Touristen ein Wachstum von
5,5% und damit neue Rekordzahlen. Deutsche Touristen liegen hinter den
Briten und Russen auf Platz drei der Besuchernationen, bei der Anzahl
der in Ägypten verbrachten Übernachtungen jedoch mit Abstand auf Platz
eins.
Vielversprechender Wachstumsmotor der ägyptischen Wirtschaft ist die
Gasförderung. Die nachgewiesenen Gasvorkommen sind in den letzten Jahren
stark gestiegen. Die Exportkapazitäten werden erheblich ausgebaut durch
eine Pipeline nach Jordanien, Syrien und Libanon sowie durch
Verflüssigungsanlagen an der Mittelmeerküste zum Gasexport nach Europa.
Großangelegte petrochemische Projekte sind im Aufbau.
Wirtschaftspolitik der ägyptischen Regierung
Die im Juli 2004 angetretene Regierung unter
Ministerpräsident Nazif hat im Textilsektor, bei der Informations- und
Kommunikationstechnik, in der Eisen- und Stahl-Branche sowie bei
Grundnahrungsmitteln Zölle abgeschafft bzw. sehr stark gesenkt.
Gleichzeitig wird die Privatisierung von Staatsbetrieben vorangetrieben,
auch in sensiblen Bereichen wie der Textilindustrie und dem
Bankensektor. Bei den Reformbemühungen der Regierung stehen größere
gesetzgeberische Maßnahmen inzwischen im Hintergrund; der Fokus liegt
auf der Privatisierung von Staatsunternehmen. Hiervon sind nahezu alle
Sektoren der Wirtschaft betroffen. Die Privatisierung der Bank of
Alexandria, der drittgrößten Staatsbank, wurde Ende 2006 durch den
Verkauf an eine italienische Großbank vollzogen. Der emiratische
Immobilienentwickler Emaar hat durch große Infrastrukturprojekte bei
Kairo und an der Nordküste in Ägypten Fuß gefasst, ebenso wie die
emiratische Telekommunikationsfirma Etisalat, die noch in der ersten
Jahreshälfte 2007 den Betrieb eines dritten Mobilfunknetzes aufnehmen
soll.
Im Dezember 2005 wurde Regierungschef Nazif im Amt bestätigt, ebenso wie
die Minister des Wirtschaftskabinetts, die zudem durch Neubesetzungen in
anderen Bereichen Verstärkung erhielten. Allerdings kehrte die Regierung
in den vergangenen Monaten teils wieder zu einer staatlich gelenkte
Wirtschaftspolitik zurück; so wurden Höchstpreise für Stahl und Zement
per Gesetz eingeführt, um der rohstoffbedingten Verteuerung dieser
Produkte entgegenzuwirken. Der Abbau der massiven, äußerst
kostspieligen Subventionen, mit denen die Preise für Grundnahrungsmittel
und Energieträger künstlich niedrig gehalten werden, hat zwar vorsichtig
begonnen, geht aber noch nicht weit genug, um die Staatsfinanzen zu
konsolidieren und die Energie- und Nahrungsmittelspreise auf eine
marktwirtschaftliche Grundlage zu stellen. Das Subventionssystem ist im
Kern unangetastet geblieben. Angesichts steigender Preise und eines
Absinkens des Lebensstandards für die Mehrzahl der ägyptischen
Bevölkerung bleibt auch unter der Regierung Nazif der bestimmende Faktor
der ägyptischen Wirtschaftspolitik die Wahrung der sozialen Stabilität.
Arbeitsmarktlage
Die größte Herausforderung für die ägyptische
Regierung wird in den kommenden Jahren die Schaffung neuer Arbeitsplätze
sein, vor allem auch für junge Akademiker. Schon heute sind über 3 Mio.
Akademiker arbeitslos. Bei einem Bevölkerungswachstum von immer noch
fast 2% kommen jedes Jahr rund 800.000 Schulabgänger neu auf den
Arbeitsmarkt, von denen aber nur etwa 250.000 in geregelte
Beschäftigungsverhältnisse gehen.
Wirtschaftsbeziehungen zur Europäischen Union
Die Europäische Union ist der bei weitem größte
Handelspartner Ägyptens. Das EU-Assoziationsabkommen mit Ägypten ist zum
01.06.2004 in Kraft getreten. Das Abkommen enthält Regelungen zum
politischen Dialog, zur Integration von Handel und Wirtschaft und zur
sozialen und kulturellen Kooperation. Es wird über einen Zeitraum von 12
Jahren u.a. einen gemeinsamen Wirtschaftsraum schaffen.
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